Eine Frage der Ehre

März 16, 2008

Neue Seite: Schul-Kritik.de

Schaut man sich in unserem Schulsystem um, wird man Erschreckendes feststellen: Betrug und Kriminalität gehoeren zu Tagesordnung. Kaum eine Klassenarbeit, in der nicht von irgendeinem Schueler “gespickt” wird. Gerade in Grossstaedten sind die Schueler nicht mehr sicher in der Schule. Neid und Hass fuehren dazu, dass man seine Sachen nirgendwo unbeaufsichtigt lassen kann. Doch was kann man dagegen unternehmen?

Hier moechten wir ein Beispiel einer amerikanischen Privatschule auffuehren. An der Norfolk Academy muss jeder Schueler einen Ehrenkodex ablegen. Dieser verbietet den Schuelern jegliches Betruegen in Arbeiten. Auch Diebstahl, vorallem gegenueber anderen Mitschuelern, ist stregstens untersagt. Bemerkt ein Mitschueler einen Verstoss gegen diesen Kodex, ist es eine Frage der Ehre diesen zu melden.

Verstoesst ein Schueler gegen den Kodex, drohen ihm naehmlich harte Konsequenzen. Ein solcher Verstoss wird dem Schuelerrat gemeldet, welcher dann ein “Urteil” festlegt. Normalerweise bedeutet dies ca. 6 und 8 Wochen lang Suspendierung. Eine harte Strafe fuer deutsche Verhaeltnisse. Verstoesst der Schueler ein weiteres mal gegen den Kodex, muss er die Schule umgehend verlassen.

Moegen die Strafen auch hart sein, effektiv sind sie auf alle Faelle. Nur sehr wenige Schueler wagen es wirklich, gegen diese zu vertossen. Und das ist ein Punkt, andem sich das deutsche Schulsystem ein Beispiel nehmen muesste. Denn auf allen weiterfuehrenden Schulen gehoert das Betruegen zur Tagesordnung. Ob man so gute Charakterstaerkung foerdert, ist doch mehr als fraglich.

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12 Antworten zu “Eine Frage der Ehre”

  1. Oeffinger Freidenker Sagt:

    Mal abgesehen von der katastrophalen Orthographie des Beitrags: ich bin mir derzeit nicht ganz sicher, ob ich Härte im Schulalltag eher begrüßen oder verdammen soll. Die pädagogische Diskussion hierzulande ist mehr auf aktivieren und fördern ausgelegt, aber bisweilen fragt man sich, ob eine harte Hand nicht bessere Ergebnisse erreichen könnte.

  2. blueyo Sagt:

    Ich bin sicher das Disziplin und Härte in dem beschriebenen Fall der Selbstdisziplinierung nicht die optimale Lösung ist. Die Einstellung der Schüler hier zu Lande zum Unterricht ist mit recht eine schlechte. Wer ist schon auf das life-long-learning bereit, wenn ihm 12-13 Jahre jeder Zugang zum richtigen lernen verwehrt wurde.

    Durch Noten und Klassenarbeiten, werden wir zu eiskalten Einzelkämpfern trainiert. Und zu Recht nehmen Schüler auch mal Spickzettel, denn wer will schon auswendig wissen, wann Person XY gelebt hat oder wie eine nebensächliche Formel heißt. Aber die Philosophie der sinnlosen Schulinhalte wird uns ja Tagtäglich gepredigt.

    Das amerikanische Konzept find ich nicht gut. Denn dieser Kodex widerspricht meinem obersten Kodex: Ich würde niemals einen Freund verraten.

  3. Hokey Sagt:

    Mir sind Schüler, die spicken, lieber als Schüler, die denunzieren.

  4. infinity#Admin Sagt:

    @Öffinger: Ich finde nur 2 Rechtschreibfehler. Die Umlaute konnte mein Freund auf der amerikanischen Tastatur leider aus irgendeinem Grund nicht finden ;)

  5. Herr Rau Sagt:

    Ich komme auf 7, plus einem, an den ich mich erinnere, der aber inzwischen korrigiert ist. Mein ja nur.

    Ansonsten: Mir sind Schüler, die denunzieren, lieber als Schüler, die wegschauen. (Um mal Hokeys Vokabel zu benutzen; man würde da sicher eine andere nehmen.)

    “Diebstahl vor allem gegen gegenüber anderen Mitschülern” - das ist für mich aber unguter Korpsgeist. Damit trifft man eine Unterscheidung zwischen eigener Klasse, eigener Schule, eigenen Lehren, fremden Klassen, fremden Lehrern.

    Ja, Ehre müsste her. Aber kein Kodex. Und auch beste Freunde müssen manchmal verraten werden - schöner wäre es freilich, wenn Diebe oder Sachbeschädiger (und um die geht es mir mehr als um die Spicker) von den besten Freunden in die Pflicht und Verantwortung genommen werden. Tatsächlich wird solch ein Verhalten eher ignoriert oder akzeptiert, denke ich.

  6. Hokey Sagt:

    Da stimme ich besonders bezogen auf Diebstahl und Sachbeschädigung (die beim durchgeknickten Bleistift anfängt) gerne zu. Es wäre für Opfer und Täter sinnvoller, wenn der Freundeskreis verantwortungsvoll mit solchen Situationen umginge. Für Spicker halte ich einen solchen Kodex für eine Kanone, die man auf Spatzen richtet und stelle auch dessen pädagogisches Ziel in Frage.

  7. multiples Sagt:

    Also zunächst mal hoffe ich, dass meine Fehler nicht gezählt werden, ich glaube, dass möchte ich lieber nicht wissen. Ich hoffe die Akademiker unter den Lesern verstehen mich trotzdem?! :-)

    Zum eigentlichen: Der Ansatz ist nicht schlecht, klingt er in meinen Ohren doch nach Eigenverantwortlichkeit. Das ließe sich so sicherlich auch an einer privaten Schule umsetzen, allerdings fürchte ich, dass man an einer öffentlichen Schule eher das Gegenteil vom erwünschten erreichen würde…Suspendierung, Schulverweis? Hey, das wird so manchen Schüler freuen, nicht mehr in die Penne zu müssen, welch Wohltat.

    Ist es weiterhin sinnvoll, spicken mit Diebstahl, Sachbeschädigung und körperl. Angriff gleichzusetzen? Ich denke hier muß differenziert werden, hat mich doch schon manch Lehrer in der Schulzeit aufgefordert Spickzettel vorzubereiten, denn wer sich die Mühe macht, braucht sie letztendlich nicht mehr, aber das ist ein anderes Thema. Ich meine, wer hat nicht gespickt? Ich habe es jedenfalls getan, möchte aber bitte nicht mit Straftätern auf eine Treppe gestellt werden.

    Eine Straftat muß als Straftat geahndet werden, da erscheint mir eine Suspendierung alleine schon als zu glimpflich. Wer stiehlt und/ oder zerstört, der muß den Schaden ersetzten. Wer verletzt für den wäre vielleicht mal ein Sozialdienst oder ähnliches angebracht. Müllsammeln im Park oder Suppe austeilen in der Armenküche dürfte auf Dauer mal zum nachdenken anregen.

  8. infinity#Admin Sagt:

    @Herr Rau: Sind Sie zufällig Deutschlehrer? :D Ich finde irgendwie keine Fehler mehr…

    @multiples: Ich kann mir vorstellen, dass Der Schadensersatz, also die übliche Vorgehensweise der Justiz so oder so greift. Die Suspendierung ist dann zusätzlich halt Sache der Schule. Genaueres weis ich aber auch nicht.

    Stimmt Dienste in sozialen Brennpunkten etc. dürften auch prägend sein und die Schüler sensibler für dieses wichtige Thema machen.

  9. anitz Sagt:

    Mich würde interessieren, ob andere Schulformen (z.B. Waldorf, Montessori, Sudbury) auch mit solchen Problemen unter der Schuler zu kämpfen hat?

    Oder ist das eine Folge aus der Frust der “Schulzwang” (im Sinne der Gleichstellung aller Schüler — alle lernen in Takt nach vorgegebene Lehrplan, in 3/4 Stundentakt, immer unter der Gesellschaft ihres Gleichen usw. usf.)?

    Wenn man wusste, was Schüler zu solche Taten treibt, dann erst kann man ein Diskurs führen, das die Ursachen zu bekämpfen verspricht anstatt nur (wieder) die Symptomen zu behandeln.

    (Sorry, I can write more eloquently in English, please do not get your knickers in a knot over my spelling mistakes ;) !)

  10. Herr Rau Sagt:

    @infinity: Mer zähle ja net, wie man im Schwäbischen sagt, wenn man misstrauisch beäugt, wieviel Kuchenstücke der andere schon gegessen hat. Und so schlimm is’ ja auch gar nicht. Aber ja, ich bin Deutschlehrer und im Korrekturlesen geübt, wenn auch nicht so wie jemand im Korrektorat bzw. Lektorat.

    @multiples: Zwischen Spicken und Straftat sollte man unbedingt differenzieren, ja.
    “Eine Straftat muß als Straftat geahndet werden, da erscheint mir eine Suspendierung alleine schon als zu glimpflich.” Eine Straftat kann angezeigt werden. Aber jede Straftat eines Vierzehnjährigen an einer Schule anzuzeigen, das wäre übertrieben und pädagogisch nicht sinnvoll. Darunter fallen zu viele Beleidigungen und Sachbeschädigungen. (Ganz zu schweigen vom rechtlichen Raubkopier-Durcheinander.)

  11. Carola Sagt:

    Was ich mich aber bei diesem System frage ist folgendes: Bringt das was? Hören die SchülerInnen deswegen auf, weil sie verstehen, dass Spicken, Klauen und sonstiges einfach falsch ist?

    Oder hören sie lediglich auf, weil sie eben keinen Ärger wollen.

    Erstes wäre wünschenswert und ich denke mal, dass man das auch auf andere Wege irgendwie erreichen könnte.

    Zweiteres bringt in meinen Augen nichts. Wenn ich selber vor etwas Angst habe, renne ich entweder davon oder früher oder später (wenn ich den Mut dazu entwickle, den andere haben), rebelliere ich dagegen.

    Mal als Denkanstoß …

  12. infinity#Admin Sagt:

    Hm… Natürlich hören sie auf, weil sie keinen Ärger wollen. Primär zumindest. Ob dann auf Dauer dem auch die Einsicht folgt, ist eine andere Frage.

    Die Ursachen dieser Probleme können aber eben nicht nur bei den Schulen gesucht werden, die liegen tiefer, meistens in den Familien.

    Und dann wäre wir wieder bei dem gesamten System. Bei den familiären Strukturen, und dann wären wir wieder bei der Politik und bei der Gesellschaft, die ja auf Familien abfärbt.

    Meiner Meinung nach ist der Ehrenkodex in den USA ein guter Ansatz und wurde dort wahrscheinlich nur eingeführt, weil man nicht mehr hinterherkam und die Straftaten mehr und mehr wurden.

    In unserer Gesellschaft hat man schon lange aufgehört, die Ursache zu bekämpfen. Sei es die Schulmedizin oder die Politik. In beiden Fällen werden nur die Symptome ausgemerzt.

    Welche Wege fallen dir bei Punkt 1 denn ein, Carola?

    mfg, Infinity

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