Lehrerbenotung verboten - Frankreichs Lehrer atmen auf

März 4, 2008

Neue Seite: Schul-Kritik.de

Wie Spiegel heute mitteilte, wurde die Klage gegen das französiche Schülerportal Note2Be erfolgreich durchgesetzt.

Nun dürfen Lehrpersonen dort nicht mehr namentlich genannt und benotet werden, nur Benotung der Schulen selbst sei noch erlaubt.

Denn die Lehrerbewertung stelle eine “Störung des Bildungsbetriebes” da und sei nicht zu dulden.

Wie auch in Deutschland beim Fall Spickmich hatten Lehrer und Lehrverbände geklagt, Frankreichs Bildungsminister Xavier Darcos nahm das Urteil “mit Genugtuung” auf.

Aber es verlief ein wenig anders. Wo hier bei uns Schüler und Eltern im Grunde positiv der Lehrerbenotung gegenüberstehen, bzw. keine Beschwerde eingereicht haben, schließen sich in Frankreich sogar die Schüler- und Elternverbände den Lehrern im Kampf gegen öffentliche Benotung an.

Die elementare Frage bei allen Bewertungsportalen aber ist doch folgende: Können diese helfen, den Umgang und den Zustand letztendlich zu verbessern?

Werden so Probleme aus der Welt geschafft, lässt sich so kommunizieren?

Ich denke, kein Lehrer ändert sein Unterrichtsverhalten wegen seiner Spickmich Note. Jedenfalls aktuell noch nicht. Wer weiß zu welchem Meinungsmacher sich Spickmich.de noch entwickelt aber an dem Punkt sind wir noch lange nicht angelangt und so denke ich, dass diese Portale, ob in Deutschland oder Frankreich, nur Streit zwischen Lehrer und Schüler einbringen und nicht zu einer Verbesserung der Bildungssituation führen.

Vielmehr sollte man die Popularität des Internets zum sachlichen Austausch benutzen um Schüler, Lehrer und Eltern so zur Diskussion anregen.

Ein Ziel, dass wir, nebenbei gesagt, langristig verfolgen ;)

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5 Antworten zu “Lehrerbenotung verboten - Frankreichs Lehrer atmen auf”

  1. Oeffinger Freidenker Sagt:

    Prinzipiell ist so eine Lehrerbenotung ja ganz nett, aber wirklich effizient oder aussagekräftig ist sie nur in Teilen. Das größte Problem daran ist, dass sie meist mehr eine Beliebtheits- statt einer Kompetenznote ist. Und deswegen auch entsprechend schlecht zu gebrauchen.

  2. blueyo Sagt:

    Ich erinnere mich das man in Zeiten vor Web 2.0 schon flächendeckende Versuche mit Lehrerbenotungen gemacht wurden. (Ich glaube u.a. in Österreich) Man war damals überrascht über die Objektivität der Schüler, die man sich nicht erwartet hatte. Ich Deutschland hält sich dennoch die Feinbeziehung zwischen Lehrer und Schüler, die ich als einen der großen Mängel für ein produktives Arbeiten in Schulen sehe. Ob eine Lehrerbenotung da hilfreich ist, ist fraglich.

  3. Holzi Sagt:

    (Die Titelbuchstaben haben ja immer noch diesen Military-Look)

    Web 4.0 - Die Fusion von eBay, MyHammer & Spickmich und der Boom der Privatschulen bewirkte ab 2015 die totale Transparenz bei Lehrleistungen jeder Art……

    Ganz ehrlich? Wäre ich heute noch Schüler, würde ich diese herrliche, anonyme Möglichkeit der Rache und Denunziation permanent nutzen um so manchen Volli* von Lehrer(in) eins reinzuwürgen. Auch wenn das gar nichts bewirkt. Kinder sind so. Die verlogenen Erwachsenen sägen natürlich viel subtiler, dafür im echten Leben, am Stuhl des unliebsamen Konkurrenten (oder Chefs) am Arbeitsplatz oder sonst wo.

  4. infinity#Admin Sagt:

    Holzi wir ziehen in wenigen Wochen um auf einen eigenen Webserver und werden einen neuen Header dafür benutzen. Bis dahin musst du dich wohl mit diesem schrecklichen Look abfinden ;)

  5. Andreas Kalt Sagt:

    Ich denke, kein Lehrer ändert sein Unterrichtsverhalten wegen seiner Spickmich Note. Jedenfalls aktuell noch nicht.

    Das denke ich auch. Aber das liegt meines Erachtens nicht daran, dass spickmich bisher noch zu wenig Beachtung schenkt, sondern dass es von vornherein keine sachliche Grundlage für eine Änderung des Unterrichtsverhaltens bietet.

    Warum nicht? Ich unterrichte dieses Schuljahr insgesamt ca. 200 Schüler über alle meine Klassen verteilt. Meine Spickmich-Note setzt sich aus dreizehn Bewertungen zusammen - das allein macht sich schon mal wenig aussagekräftig. Wenn ich mir die registrierten Schüler unserer Schule anschaue, sind viele Namen dabei, die es in den entsprechenden Klassen gar nicht gibt, das heißt, viele Schüler (oder andere Personen) haben sich mit falschem Namen angemeldet. Spätestens das macht für mich die Note komplett gegenstandslos, denn ich kann ja nicht mal beurteilen, ob hier überhaupt Schüler ihre Meinung sagen oder Eltern oder Kollegen oder schulfremde Leute.

    Nehmen wir an, dass tatsächlich dreizehn meiner Schüler ihre Meinung abgegeben hätten (meine Note ist momentan 2,5, das heißt, es wäre durchaus noch Raum für Verbesserungen): ich kann überhaupt nicht konkret an etwas arbeiten oder nachfragen, denn mir fehlen wichtige Daten:
    - ich sehe nicht, aus welchen Stufen oder Klassen die Bewertungen kommen
    - ich sehe nicht, aus welchen Einzelbewertungen sich mein Durchschnitt zusammen setzt (es könnte sein, dass alle Noten etwa im Bereich 2-3 liegen oder es könnte sein, dass einige mich sehr gut und andere mich sehr schlecht bewertete haben - beides könnte zu diesem Durchschnitt führen)

    Insgesamt hat die spickmich Note also nicht die Voraussetzungen dafür, zu einem konstruktiven Austausch zu führen, weil die Rahmenbedingungen dafür gar nicht ausgelegt sind.

    Wenn man sich die Macher von spickmich anschaut (u.a. wie sie sich in spickmich TV präsentieren), dann kann man den Eindruck bekommen, es geht überhaupt nicht um “die freie Meinungsäußerung der Schüler”. In diesemVideo über einen Gerichtstag fällt irgendwann vom spickmich Chef ein interessanter Satz: sinngemäß sagt er “Es geht um viel Geld … [kurze Pause] und natürlich um die freie Meinungsäußerung der Schüler”. Die Reihenfolge ist für mich bezeichnend.

    Wie könnte man wirklich eine konstruktive Diskussion über den Unterricht führen?
    - viele meiner Kollegen und auch ich holen regelmäßig (mindestens 2 x pro Schuljahr) die Rückmeldung der Schüler ein; hier sollten Schüler offen und ehrlich ihre Meinung sagen
    - wenn ein Lehrer das nicht macht: man kann als Klasse in der Regel problemlos eine Rückmeldung schreiben (getippt, so dass die Handschrift nicht erkennbar ist) und sie dem Kollegen ins Fach legen lassen; wichtig ist die Angabe der Klasse, damit die Diskussion darüber tatsächlich mit den Schülern geführt wird, die die Kritik haben
    - wenn auch das nicht möglich erscheint: an jeder Schule gibt es Vertrauenslehrer, an die man sich (z.B. auch über die Klassensprecher) wenden kann, wenn es mit einem Lehrer Probleme gibt oder man unzufrieden ist

    Das sind nur einige Wege für eine offene Diskussion.

    Es würde sicher sowohl Schülern als auch Lehrern gut tun, öfter die konstruktiven Möglichkeiten zu nutzen (und ich bin mir im Klaren darüber, dass auch viele Lehrer hier nicht vorbildlich sind).

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