Kommerz im Klassenzimmer

Februar 19, 2008

Neue Seite: Schul-Kritik.de

Nachdem wir uns schon mit dem Holocaust im Unterricht beschäftigt hatten, manch ein Kreuzzugcandy_machines.jpg in der Klasse erneut geführt wurde und unsere Besucher schon mit Suchbegriffen wie „Judenverfolgung im Unterricht“ auf unsere Seite gelangten, wollen wir uns heute mit dem Kommerz im Klassenzimmer beschäftigen.

Dafür möchte ich mich kurz an meine Grundschulzeit zurück erinnern ( ja waren das noch Zeiten damals ).

Dort gab es eine so genannte Frühstückspause, diese wurde mit mehr oder weniger gesunden

Zutaten, die man sich von zu Hause mitbrachte, gefüllt. Der Hausmeister verkaufte Milch in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Damit wir kleinen, wissbegierigen Schüler auch einmal zu dem werden was wir heute sind…

Später dann in der Orientierungsstufe ( so nannte sich damals die Schule der 5. & 6. Klasse ,die mittlerweile von schlauen Leuten abgeschafft wurde ) gab es in Schulnähe einen Kiosk. Dieser Kiosk verkaufte jede Menge ungesunder Dinge, was den Lehrern ein Dorn im Auge war. Auf dem Gymnasium ein ähnliches Bild. Doch der ein oder andere hat da vielleicht auch eine Geschäftsidee gesehen.

Vor kurzem wurden nämlich Automaten in unserer Schule aufgestellt. Gut, belegte Brötchen zu fairen Preisen sollte es auch geben. Nun, das hörte sich zunächst nicht schlecht an. Der tatsächliche Inhalt gefiel dann vielen Schülern noch mehr.

Neben besagten Brötchen gibt es nun an unserer Schule auch Cola, Fanta ,Sprite, Donuts, diverse Bonbons, Kit Kat, Milky Way, Mars und wie sie alle heißen.

Noch vor kurzem diskutierten wir über Werbung an der Schule. Ist das nicht schon indirekt Werbung? Da sitzt man in einer Freistunde im einzigen Aufenthaltsraum für Schüler der Schule und starrt diese Automaten an. Vor lauter Langeweile und Hunger wird man dann permanent dazu verleitet sich etwas zu kaufen. Schließlich sind dort jede Menge leckere Sachen drin. Jedoch sind die Preise auch nicht ohne. 1,50 € muss man für ein belegtes Brötchen hinblättern und eine kleine Kit Kat Packung schlägt mit 0,80 € (!) zu Buche. Und da wundern sich die Eltern, warum die Kinder ihr Taschengeld so früh ausgeben. Zwar versucht der Hausmeister noch brav Milch und Müsliriegel zu verkaufen, doch im Vergleich läuft der Verkauf dort eher schleppend. Wen wundert es bei dem Kommerz im Klassenzimmer…

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10 Antworten zu “Kommerz im Klassenzimmer”

  1. DJH Sagt:

    Also 80ct für ein Kitkat sind schon happig.
    Bei uns war das damals so, dass der Hausmeister das Verkaufsmonopol an der Schule hatte, das heißt von Butterbreze über Pommes, Schokoriegel und Limo bis zum Kaffee (Teils über Pausenverkauf, teils über Automaten im 5m²-Automatenzimmer) ging das Geld zunächst an den Hausmeister, der dann davon “Bedarfsorientiert” eingekauft hat. Keine Konkurrenz in der Schule – gesund ist das zwar auch nicht übermäßig, aber zumindest halten sich die Preise in Grenzen. Bis dann mal eine Ecke weiter ein Supermarkt aufgemacht und Pilgerströme ausgelöst hat ;-)

    Aber Kommerz ist es doch auch schon, wenn der Hausmeister seine Milch verkauft, oder nicht?

  2. aspire7#Admin Sagt:

    Klar in gewisser Weise schon, nur dass seine Milch 50-70 cent für 0,5 l kostet. Die Cola hingegen schon 1,30 für 0,5 l. Natürlich steht jedem frei da was zu kaufen oder sich etwas von zu Hause mit zu bringen. Es ist ja auch manchmal super so eine Möglichkeit als Schüler zu haben und sie da was kaufen zu könne. Wenn man dann aber sparen möchte und einem an jeder ecke schokolade etc. vorgegessen wird, macht es das doch schwiriger…

  3. Dennis Sagt:

    Das Problem kommt mir bekannt vor.

    Schlagartig hat bei uns in der Schule eine Bäckerei einer großen Kette eröffnet. Die überteuerten Bäckereierzeugnisse reichen nicht aus - hier bereitet man auch fettige “Minipizzen” zu. Das Sortiment bietet neben zwei Getränkeautomaten (heiß & kalt) auch sämtliche Schokoriegel und sonstige Leckereien, die besonders junge Schüler gerne mögen. Ob das zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung beiträgt - wie sie 15 Minuten früher im Biologie-Unterricht empfohlen wird - ist ‘ne andere Geschichte.

  4. aspire7#Admin Sagt:

    In der Schule gleich?! Wird ja immer besser ;D
    Und da soll nochmal einer sagen man lernt fürs Leben, wenn die Ernährung die in der Schule gelehrt wird, nicht mal dort umgesetzt wird…

  5. schwindelfrei Sagt:

    Die Diskussion über das Speiseangebot in unserer Schulkantine ging bis in die Schulversammlung. Eine wirkliche Alternative zu dem fettigen Schnitzel, der Bulette, den salzigen Pommes und allerlei Süßkram wurde dennoch nicht gefunden.

    Den Salat muss man sich einen Tag eher bestellen und schlägt mit 2,50 Euro auch ein beachtliches Loch in die Geldbörse der Schüler.
    Da bleibt bei dem spontanen Hunger letztlich nur noch der Griff zum überbackenen Baguette oder Bockwurst.

    All diese Fastfood-Gerichte sind in der Herstellung und Lagerung besser für eine Schule geeignet. Obst, Gemüse und Salat indessen müssen frisch gekauft und zubereitet werden. Da können wir wohl noch lange auf wertstoffreiche Kost hoffen …

  6. infinity#Admin Sagt:

    Letztendlich liegt es natürlich bei den Eltern und deren Erziehung. Wird einem Kind allmorgentlich nach Meinung der Eltern gesundes und für das Kind richtige Essen mitgeben, dann braucht es sich garnicht erst am Automaten in der Schule bedienen.

    Zum Zweiten kommt ja auch meistens das Geld von den Eltern, so kann der Kauf von massenhaft Süßwaren etc. größtenteils eingeschränkt werden.

    Letzten Endes hat denke ich jeder Schüler in Deutschland die Möglichkeit, irgendwie, irgendwo an solche Sachen dran zu kommen, von daher spiegelt der Kaufrausch an den Schulen wohl eher das Erziehungsverhalten deutscher Eltern und das Ernährungsverhalten der Familien wieder. Unterstützt werden sollte das aber auf keinen Fall, wie oben beschrieben, wird es das an unserer Schule leider doch, aber die Schüler freuen sich. Ändern wird sich da so schnell nichts.

    Grüße
    Artie

  7. anitz Sagt:

    Ein Buch Tip:
    Chew on This by Eric Schlosser…

    Nicht nur, wegen den Fast Food Effect (von Schokoriegel und Co.) sondern eben wegen euren Thema hier: Vermarktung einer Gesellschaft.

    Schlosser beschreibt u.a. wie Franchising nicht vor der Schulgebäude halt macht…

    Ich halte dieses Buch für Pflichtliteratur für alle meine Kinder (sinds doch 5!) und empfehle ich auch alle eure Leser!

    (Und diese Argument, ein gesundes Pausenbrot, funktioniert nicht immer… denn es sind genau diese Moment, wie in dem Beitrag geschrieben:

    Da sitzt man in einer Freistunde im einzigen Aufenthaltsraum für Schüler der Schule und starrt diese Automaten an. Vor lauter Langeweile [...] wird man dann permanent dazu verleitet sich etwas zu kaufen.

    Und genau das ist es, worauf es die lieben Schokoriegelhersteller und ihre Marketingabteilungen abgesehen haben… WARUM werden die Automaten im Aufenthaltsraum aufgestellt?

  8. anitz Sagt:

    Noch ein interssantes Aspekt: Fundraising in Schulen!

    Habe einen Artikel hier.

    Nachdem unsere Grundschule ein Fundraiser für das RotaryClub mitgemacht hat, kommen da jede Menge Fragen auf, die noch keiner bisher Beantwortet hat….

  9. Schule als Geschäftsidee « www.Schul-Kritik.de Sagt:

    [...] 22, 2008 von aspire7#Admin In den letzten Tagen beschäftigten wir usn bereits mit dem Kommerz in Schulen, vor einigen Wochen berichteten wir über dem aufstrebenden Trend der Privatschulen. Im Folgenden [...]

  10. » Blog Archive » Schule als Geschäftsidee Sagt:

    [...] den letzten Tagen beschäftigten wir uns bereits mit dem Kommerz in Schulen, vor einigen Wochen berichteten wir über dem aufstrebenden Trend der Privatschulen. Im Folgenden [...]

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