Knoff Hoff - oder wie man Englisch nicht lernt
Februar 12, 2008Neue Seite: Schul-Kritik.de
Englisch ist eine Weltsprache. Nein, Englisch ist DIE Weltsprache. Grade deswegen hat sie in unserem Schulsystem einen so hohen Stellenwert. Und wie steht es um die Qualität der deutschen Schüler im Englischen? In Vergleich mit anderen Ländern doch eher schlecht. Es scheint es fehlt am nötigen „know how“. Was also ist falsch an unseren Methoden im Englisch Unterricht.
Wir möchten uns an dieser Stelle nur auf eigene Erfahrungen beziehen. Es sind also keine wissenschaftlichen Ergebnisse. Trotzdem denken wir, wird eines ganz deutlich:
In vielen Klassen wird im Unterricht zu wenig Englisch wirklich gesprochen. Die Lehrpläne sehen grammatische Übungen, etliche Wiederholungen von Zeitformen, riesen Vokabellisten, Kameraeinstellungen, Besonderheiten der Englischen Sprache bis hin zum interpretieren von Texten vor, nur kein Sprechen. Sicher sind dies alles wichtige Dinge, doch sollte in erster Linie das Sprechen im Vordergrund stehen. Es nützt einem nämlich reichlich wenig, wenn man zwar das Past Perfekt Progressiv Passiv kann, jedoch einen normalen Engländer nicht klar machen kann, dass man doch nur den Weg zum nächsten McDonals sucht.
Bei verschiedenen Austauschen mit anderen Ländern viel uns auf, dass es auch anders geht. Dort gehört eine 20 minütige Konversation zum Schulalltag und wird mindestens wie eine Arbeit bewertet. Ähnliche Ansätze erhoffen wir uns in Zukunft auch.
Tags: Arbeit, Englisch, Grammatik, Knoff Hoff, know how, Koversation, Methode, simple present, Sprechen
Februar 12, 2008 um 12:56 Uhr nachmittags
Für mich immer noch das schärfste: Wir müssen die Englishe Rechtschreibung besser beherrschen als die Deutsche. In keinem Deutschaufsatz werden unsere Schreibfehler nach Tabellen bewertet (außer vielleicht bei irren Grundschullehrern). Aber im English darf man beim schreiben keinen Fehler machen. Jedes Wort wird in Englishunterricht zerlegt - aber wer nur dieses English kennt kann es beim besten willen nicht sprechen - ich behaupte sogar, dass wer strikt so English lernen würde es beim besten willen nicht sprechen könnte. Ich mag English, weil ich es als wichtigen bestandteil sehe mich damit zu unterhalten oder Filme und andere Dinge zu verstehen. Ich kann aber mit der klassischen Form des Englishunterrichts nichts anfangen. Die Folge waren schlechte Noten - und doch kann ich English und doch bin ich immer noch auf dem Stand English zu schätzen - am Unterricht liegts sicher nicht!
Februar 12, 2008 um 1:19 Uhr nachmittags
“In keinem Deutschaufsatz werden unsere Schreibfehler nach Tabellen bewertet”
Na da bin ich aber nicht so sicher. Schließlich gibt es auch in Deutsch den Fehlerindex. Dieser wird aber mittlerweile im Fach Englisch ersetzt durch eine Bewertung, die sich an einer verbalen Beschreibung orientiert (z.B. “wenige und leichtere Verstöße, die die Verständlichkeit so gut wie nicht beeinträchtigen”). Das hat für die Schüler den Vorteil, dass nicht mehr JEDER Fehler (gleich stark) gewertet wird. Meiner Erfahrung nach, werden die Sprachrichtigkeitsnoten dadurch etwas besser. Das hat den Nachteil, dass unterschiedliche Lehrer unterschiedliche Auffassungen darüber haben, was ‘wenige und leichtere Verstöße” sind. Außerdem ist ein und derselbe Fehler in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich streng zu ahnden, je nachdem ob er die Verständlichkeit beeinträchtigt oder nicht.
Zum Thema Kommunikation: Den Satz “Auf Englisch kann ich das aber nicht sagen” höre ich in nahezu jedem Unterricht. Werden dagegen Einzelantworten oder simple grammatische Satzbildungen abgefragt, schnellen die Schülerarme in die Höhe. Das Problem stellt sich also mal wieder - wie immer eigentlich - beiderseits.
“Die Lehrpläne sehen grammatische Übungen, etliche Wiederholungen von Zeitformen, riesen Vokabellisten, Kameraeinstellungen, Besonderheiten der Englischen Sprache bis hin zum interpretieren von Texten vor, nur kein Sprechen.”
Dem ist eigentlich nicht mehr so. Vielmehr sieht dies der Lehrer so vor und, was noch viel wichtiger ist, die zentrale Abiturprüfung. Die ist nämlich schriftlich und nicht mündlich.
Das mit der benoteten Konversation werde ich mir aber mal merken. Wie ich das allerdings hinbekommen soll bei 28 Schülern und 2 Stunden pro Woche ist eine andere Sache. Wenn die Schüler natürlich selbstständig arbeiten würden, könnten und wollten, könnte ich ja in der Zeit … . Na mal sehen.
Februar 12, 2008 um 3:04 Uhr nachmittags
Hi,
ich hatte Englisch im Leistungskurs und hatte sogar bilingualen Unterricht an meiner Schule, also teilweise wurde mein Geschi Unterricht und mein Sozialkunde Unterricht in Englisch unterrichtet. Ich habe dennoch nicht das Gefühl, dass mein gesprochenes Englisch sich wesentlich verbessert hätte.
In der Oberstufe haben wir nur Texte von Shakespeare interpretiert, aber wirklich zeitnahes Englisch nicht gesprochen. Hier liegt das Hauptdefizit. Englisch wird bei uns nicht als Alltagssprache verstanden, sondern nur in Zusammenhang mit Interpretationen von Büchern betrachtet!
Schlechter kann man eine Sprache meiner Meinung nach nicht angehen.
Englisch muss gelebt werden, d.h. SchülerInnen müssen auch bewusst Fehler machen dürfen ohne schlechte Noten zu bekommen, dafür dürfen sie dann aber auch unbefangen reden.
Gerade hier muss unser Schulsystem auch sehr stark aufholen gegenüber anderen Ländern. Der Englischunttericht ist total verschult.
Grüße
Max
(hoffe auch bald hier was schreiben zu können ; ) )
Februar 12, 2008 um 4:50 Uhr nachmittags
Mal ganz ehrlich: Welcher Siebtklässler kann auf Anhieb folgende Begriffe übersetzen: Geschirr, Messer, Gabel, Löffel, Teller, Tasse. Ich konnte es damals nicht.
Oder noch besser: Ihr befindet euch in einem Hotel (oder sowas ähnlichem) in England, und wollt mitteilen, dass euer Ausguss verstopft ist.
Ich hatte damals (bzw. habe noch) das Gefühl, dass viele Bücher (gerade in Englisch und in höheren Klassen) didaktisch einfach schlecht aufgebaut sind.
Oder um weiter auszuholen: In der 11. Klasse (G9) hatten wir zum Halbjahr einen Lehrerwechsel. Lehrer #1 (= 1. Halbjahr) hat so gut wie nie etwas aus dem Buch gemacht, sondern hat uns Texte abgezogen – keine Ahnung wo die genau her waren – die eben immer bestimmte Themen behandelt haben. Alltagsthemen (von irgendwelchen Rappern bis hin zur grausigen Situation für Fußgänger in NY), keine Aufgesetzten Texte, wie man sie oft in Büchern findet und wo versucht wird, noch möglichst viel Kultur, Kunst und Pädagogik einzubauen. Zu den Texten dann Übungen zum Textverständnis usw. teils auch mit Diskussion. Das war sinnvoller Englischunterricht und es hat auch Spaß gemacht.
Lehrkraft #2 hat dann ausschließlich mit dem Buch gearbeitet. Irgendwelche Cartoons interpretieren, die teils so konfus waren, dass sie die Lehrer selbst nicht verstanden haben. Und eben so typische Schulbuch-Geschichten, ohne Realitätsbezug dafür mit ner ordentlichen Portion aufgesetztem Kultus. ~> kein Englischunterricht, wie er für eine 11. Klasse geeignet ist.
Es liegt an zweierlei in den (modernen) Sprachen:
1. Die Bücher, die die Schule zur Verfügung hat, und deren Qualität
2. Die Motivation bzw. das Engagement der Lehrkraft, selbst was für die Schüler zu tun und sich nicht auf Bücher zu verlassen.
Februar 22, 2008 um 3:58 Uhr nachmittags
[...] http://schulwatch.wordpress.com/ [...]
Februar 23, 2008 um 9:58 Uhr vormittags
Ich habe in der Schule ähnliche Erfahrungen gemacht, und als ich dann als Au-pair nach England ging, stand ich da und konnte mich überhaupt nicht ausdrücken.
Einen Aufsatz hätte ich aber ohne große Mühe schreiben können.
Meines Erachtens lernt man eine Sprache am besten natürlich im gelebten Umfeld. Nun hat aber nicht jeder die Möglichkeit ein-zwei Jahre ins Ausland zu gehen.
Sprache muss lebendig vermittelt bzw. gelernt werden.
Das Verständnis verbessert sich, wenn man Muttersprachlern zu hört z.B. durch Hörspiele, Hörbücher und Filme.
Rechtschreibung und Wortschatz verbessern sich durch das Lesen von vielen (!) Büchern in der relevanten Sprache. (ruhig auch höheres Niveau).
Und dann ist da noch die Konversation. Es müsste regelmäßig Diskussionsrunden geben, oder der Unterricht müsste in alltäglichen Situationen stattfinden, während denen man NUR English spricht (z.B. gemeinsames Kochen, Ausflug, Besichtigungen, Essen gehen etc.)
Inwieweit das in der Schule umsetzbar ist, kommt dann sicherlich auf den Lehrer an. (Flexibilität und Kreativität)