Denken unerwünscht - wie sich Von der Leyen mit dem kleinen Ferkel anlegt
Februar 11, 2008Neue Seite: Schul-Kritik.de
Da wird den Schülern in Deutschland seit Jahren im Religionsunterricht so schön die absolute Wahrheit eingetrichtert, und nun kommt jemand daher und schreibt einfach seine eigene Meinung über die Religionen in Form eines Kinderbuchs nieder.
“Wo bitte geht s zu Gott? fragte das kleine Ferkel”
Das kleine Ferkel und der kleine Igel hatten immer geglaubt, es könnte ihnen gar nicht besser gehen. Doch dann klebt jemand über Nacht ein Plakat an ihr Häuschen, auf dem geschrieben steht: Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!� Also machen sie sich auf den Weg, um Gott zu suchen…
Hier werden endlich auch mal den Kindern eine kritische Stimme zum Thema Religion liebevoll illustriert zugänglich gemacht und Religionskritische Fragen kinderfreundlich erklärt und was passiert?
Das Bildungsministerium um Ursula Von der Leyen hat nun einen Antrag auf Indizierung des Buches gestellt, das bis zum 8. März entschieden wird. Nunja, als 7-fache Mutter muss sie natürlich wissen, was gut für die Kinder ist und wie man sie am besten von klein auf zu Menschen erzieht, die niemals lernen, Dinge zu hinterfragen, kritisch zu denken oder gegen das System den Mund aufzumachen.
Text und Abbildung des Buches wiesen mithin antisemitische Tendenzen auf. Das Buch ist somit geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren.
Tja, wenn man sich so das Cover so ansieht, kann man garnicht anders, als Van der Leyen zuzustimmen. Abstoßender geht es garnicht, allein das hinterhältige Lächeln des Ferkels drückt seine antisemitische Meinung aus.
Soviel zur Abbildung. Über den Text selbst kann natürlich nur sprechen, wer das Buch gelesen hat. Dazu verweise ich auf die FAQ des Autors selbst, der die Behauptungen gegen ihn meiner Meinung nach ziemlich eindrucksvoll wiederlegt.
Das Buch ist laut Ursula V. d. Leyen also geeignet, Kinder “sozial-ethisch zu desorientieren”. Aha.
Abgesehen davon, dass dieser Vorwurf eindrucksvoll die fehlende Meinungs- und Redefreiheit unter Beweis stellt, muss man sich erstmal genauer fragen, was ist eine Sozial-Ethische Desorientierung?
In diesem Fall wohl einfach die Tatsache, dass Kinder schon in frühen Jahren zu Kritikfähigkeit herangezogen werden könnten.
Wir lernen: Desorientierung = nicht die gleiche Meinung haben wie die Regierung.
Oder wie die katholische Kirche. Diese hat nämlich (nicht als einzige Organisation) schon Strafanzeige gestellt wegen Volksverhetzung. Anscheinend fürchtet man auch, dass der kleine, fromme Nachwuchs sich später darauf besinnen kann, der Kirche fernzubleiben und einige Dinge religionskritisch zu hinterfragen.
So kann ein kleines Kinderbuch über Nacht zum Staatsfeind Nummer 1 werden.
Die Indizierung zeigt klar, dass das Bildungsministerium nicht an kritisch denkenden Menschen interessiert ist und an Schulen eindeutig nur einseitig unterrichtet wird. Das zeigt auch der Religionsunterricht, der immer nur von Anhängern der Religion selbst unterrichtet werden darf oder die Tatsache, dass in den Schulbüchern im Grunde nie alternative Berichte behandelt werden, die Geschehnisse etc. in einem anderen Licht darstellen. Desweiteren werden die Schüler dazu “erzogen”, dass der Lehrer und das Schulbuch immer Recht hat. Verhält er sich anders, wird seine Meinung manchmal einfach als unsinnig abgetan. So passiert bei einem Schüler, der seine alternative Meinung zum “Terroranschlag” 9/11 geäußert hat und sofort aus dem Unterricht geflogen ist.
Übrigens: “Wo bitte geht’s zu Gott” fragte das kleine Ferkel ist durch den Indizierungsantrag kurzfristig auf Rang 1 in der Amazon Bestseller Liste gelandet und befindet sich immer noch auf Rang 13. Man hat also genau das Gegenteil erreicht, plötzlich wird das Buch interessant und bis zum 8. März dürfte es sich noch oft absetzen.
Hier erfahrt ihr alles über die Indizierung und das Buch selbst, und könnt eine Petition dagegen unterschreiben.
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Februar 11, 2008 um 5:53 Uhr nachmittags
Die einseitige Darstellung des Unterrichts trifft hier nur bedingt zu, und zwar auf die Schüler-/Altersgruppe, an die sich auch dieses Buch zu richten scheint.
Hier stimme ich dir zu, fehlt eine alternative Darstellung im Religionsunterricht völlig.
Diese kommen erst später, bei uns in der Jahrgangsstufe 13. Wir sprachen über Athesismus und Gotteskritik von Feuerbach und Nietzsche. Aber da kaum noch jemand Religion anwählt in der 13, führt das dazu, dass nur knapp 10% der Schüler eines Jahrgangs diese alternativen Ansichten im Unterricht durchnehmen. Vielleicht ist das ja auch so beabsichtigt…
Februar 11, 2008 um 6:22 Uhr nachmittags
Hi Mirko,
Das Buch richtet sich hauptsächlich an Kinder ab vielleicht 6-8 Jahren. Aber aufgurnd der Thematik ist es für Erwachsene genauso interessant.
Hauptpunkt hierbei ist, dass man hier ein Kinderbuch verbietet, nur weil es sich kritisch mit einem Thema auseinandersetzt. Die Logik, dass dies für Kinder verstörend sein kann oder Kinder dies nicht verstehen können ist falsch. Denn gerade durch die bildhafte Darstellung wird der Inhalt Kindern einfach erklärt, zumal Kinder oft Fragen zu dem Thema Gott haben.
Und nur weil die Meinung des Autors von der des aktuellen Zeitgeistes abweicht, wird so ein Buch gleich verboten.
Wie du sagst, fehlt eine alternative Darstellung im Religionsunterricht. Aber auch woanders fehlt sie, nur fällt es im dort eben nicht so stark auf, da andere Meinungen nicht so stark verbreitet sind. Da die Lehrer aber auch unwissend sind, wird vieles einfach als objektive Wahrheit aufgenommen, obwohl man die Alternativen einfach nicht kennt.
Februar 11, 2008 um 7:47 Uhr nachmittags
Ach ich meine machen wir doch gleich reinen Tisch. Wenn wir schon gerade beim Bücher verbieten sind: Diese Biologiebücher sind uns doch schon seit langem ein Dorn im Auge - dort stehen böse Dinge drin, die Schüler dazu anregen könnten die Existens von Gott, nach der üblichen Kirchlichen Lehre, in frage zu stellen. Auch im Deutschunterricht sind mir böse Systemkritiker begegnet, die es schnellsten zu verbieten gilt. Auch jegliche Form von Kunst halte ich für zu kritisch um sie in Schülerhände zu geben. Das würde durchaus auch den aktuellen Bestrebungen den Unterricht schlanker zu machen entgegenkommen … oder nicht?
Februar 11, 2008 um 8:57 Uhr nachmittags
Also, ich bin in der zehnten Klasse in Ethik gewechselt und weiß warum. Da will sich die CDU mal wieder billig bei der rechtskonservativen Stammwählerschaft profilieren, und Antisemitismus ist ein politisches Totschlagargument. My two Cents.
Februar 12, 2008 um 4:07 Uhr nachmittags
Finde ich gut, daß Ihr über dieses Ereignis schreibt. Ich finde es bedenklich, wenn der Artikel GG zur Religionsfreiheit so merkwürdig ausgelegt wird, als ginge es darum, die Religion und sogenannte “religiöse Gefühle” zu schützen. Darum geht es dem GG-Artikel überhaupt nicht. Es geht darum, daß man nicht wegen der eigenen Religion oder Weltanschauung diskriminiert werden darf. Um den Schutz von Gefühlen geht es überhaupt nicht - das wäre schön, wenn man mit Rechtsmitteln die Verletzung von Gefühlen schützen könnte …
Inzwischen müssen sich aber Nichtreligiöse offenbar rechtfertigen, daß sie keine Religion haben! Und daß sie das Nichtreligiös-Sein auch darstellen und lehren wollen - das soll jetzt jugendgefährdend sein? Das verstößt irgendwie gegen - tja, den Schutz der Religionsfreiheit. Denn der garantiert letztlich auch die Freiheit VON Religion.
Februar 28, 2008 um 6:38 Uhr nachmittags
Über den Antisemitismusvorwurf konnte ich noch grinsen, denn der ist einfach so blöd, daß er lächerlich ist.
Wirklich geärgert hat mich die Formulierung, das Buch sei geeignet, Kinder und Jugendliche “sozial-ethisch zu desorientieren”, denn exakt das Gegenteil ist der Fall. Erst die vergleichende Religionskritik macht es Kindern und Jugendlichen möglich, sich sozial-ethisch zu orientieren!
Das Kleriker diese Orientierung fürchten, wie der Teufel das Weihwasser, ist auch klar.
Und unsere Katholen sind wieder besonders putzig: “Das Buch verfolge das Ziel, Kindern den Gottesglauben der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam als unsinnig zu erklären, so die Begründung des Antrags auf eine strafrechtliche Prüfung.”
Quelle: http://www.domradio.com/aktuell/artikel_38204.html
Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger sieht ganz schlimmen Antisemitismus in der Illustration, während der Zentralrat der Juden in Deutschland das Buch zwar auch ganz klar verurteilt, aber keinen Antisemitismus erkennen kann, weil die drei monotheistischen Weltreligionen gleichermaßen abgewatscht werden.
Ich schließe mich der Meinung des Aschaffenburger Staatsanwalts an, der den Strafantrag geprüft hat. Er konnte keine strafrechtlich relevanten Inhalte erkennen, und nannte das Buch ein perfides Machwerk. Ich würde sogar noch ein wenig weiter gehen und das Buch ein außerordentlich gelungenes perfides Machwerk nennen. Es schlägt den Klerus mit seinen eigenen Waffen. Und das ist auch gut so.
Februar 28, 2008 um 6:51 Uhr nachmittags
Das ironischste an der Sache ist ja, dass ein Religionspädagoge im Gegensatz zum Zentralrat der Juden darin Antisemitismus erkennen kann :D
Ich mein, wenn dann muss bei solchen Sachen schon eine gewisse Objektivität vorhanden sein, aber wie man hier sieht, ist sie das ganz und garnicht.
Letztendlich ist es gegen jede Form der Religionen, was ich auch unterstütze. Leider erkennen die Religionsanhänger nicht die Zwänge ihrer Religion, da sie diese im Grunde garnicht vollständig ausleben.
Wie der Autor des Kinderbuches sagt, leben die Menschen heute sozusagen “Religion-Light” und suche nsich das gewünschte raus, verbinden es mit Humanismus und schon sind wir alle glücklich. Aber niemand erkennt, dass das gute selbst nur der Humanismus selbst ist, der auch ohne Religionen ausgelebt werden kann…
März 15, 2008 um 2:25 Uhr nachmittags
[...] (wir berichteten) [...]