Das Grauen des Holocaust im Unterricht

Januar 12, 2008

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Focus sprach mit Historiker und Pädagoge Robert Sigel über die Frage, wie man Schülern der heutigen Generation wohl am Besten das Grauen des Holocaust, eines Konzentrationslagers und der Gesamten NS-Zeit vermitteln könne.

Denn wie entwickeln sich Schüler in ihrer Jugend denn wohl besser, als durch jahrelanges Einhämmern ewiger Schuldgefühle und heftigster Grausamkeiten?

Nichts anderes passiert täglich an deutschen Schulen. Jahrelang behandelt man dieses Thema im Geschichtsunterricht. Selbst im Deutsch- oder Religionssunterricht bekommt man immer wieder eine Begebenheit aus dem dritten Reich vorgesetzt.

Ganz klar: Die Grausamkeiten, die damals verübt wurden, lassen sich nicht leugen. Im Gegenteil, jeder sollte wissen, was damals passiert ist. Das sollte definitiv nicht in Vergessenheit geraten

Aber wieso, verdammt nochmal, setzt man Schülern diess Thema Jahr für Jahr, vom 7. bis manchmal 13. Jahrgang vor und gibt ihnen das Gefühl, irgendwie mit Schuld zu sein, und schlimmer, nicht stolz auf sein Land sein zu dürfen.

Wie Focus treffend bemerkt:

Aber die letzten Zeitzeugen des NS-Regimes sterben aus, und in der Schule sitzen Jugendliche, die keine persönliche Beziehung zu den Tätern, Opfern, Mitläufern und Zeitgenossen mehr haben.

Der Unterricht zu diesem Thema ist zu großen Teilen theoretisch. Unterhaltungen mit Zeitzeugen ( wenn möglich) wären da sicher effektiver. Auch wäre eine andere Herangehensweise wünschenswert. Wieso wird nicht mal eine allgemeine Fragestellung nach dem “Nationalstolz” gestellt? Ist so etwas mit unserer Vergangenheit erlaubt bzw. manchmal sogar trotzdem erforderlich?

Diese Zeit ist vorbei, geschehen ist geschehen, man sollte sich so langsam mit diesem Thema abfinden und sich heutigen Problemen widmen. Millionen Menschen starben damals. Aber seitdem wurden viel mehr Menschen Opfer heftigster Verbrechen.

In vielen Teilen der Welt herrscht seit Jahrzenten Krieg und Leid. In Palästina und Israel Krieg, in Afrika Hungernot. Anstatt dort hinzuschauen, widmet man sich in Deutschland voll und ganz der Vergangenheit. Auch in der Schule finden diese Brennpunkte nur selten Beachtung.

Weitere schreckliche Dinge geschehen, in Deutschland gibt es Millionen Arbeitslose, die manchmal nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen - und was tut man? Man pflastert das Zentrum Berlins mit 2711 riesigen Steinklötzen zu - auf einer Fläche von 19.000 m², Kosten: schlappe 27,6 Millionen Euro…

Hilft das den Millionen toten Juden? Hilft das irgendwelchen Opfern irgendwelcher Kriege? Nein, nicht ein Stück. Aber Berlin hat wenigstens ein paar Besucher mehr…

Hätte man anstelle dieser Steinklötze einen schönen Park errichtet, mit einzelnen Denkmälern, wäre es nochmal etwas anderes. Aber man verbaut diese riesige Fläche mit sinnlosen, toten Steinen? Das ist nicht nur Verschwendung von ca 28 Millionen Euro, einer riesigen Fläche, nein das ist auch das Zugeständnis der Regierung, dass ihnen das vergangene Leid toter Menschen mehr am Herzen liegt, als die eigenen aktuellen Probleme des Volks.

Außerdem begreifen wir nicht, wie damit irgendjemandem geholfen werden kann. Die Bürger Deutschlands kann man auch anders auf ihre Vergangenheit aufmerksam machen, gerade in der Schule.

Touristen kommen nach Athen und sehen wunderschöne Statuen und Gebäude, die den Nationalstolz der Griechen representieren. Touristen kommen nach Berlin und sehen 2711 schwarze Steine. Von Stolz ist bei den Deutschen auch nicht mehr viel zu sehen, anscheinend hat jahrelanger Geschichtsunterricht und Pressemanipulation gewirkt.

Immer mehr Migranten leben in Deutschland, die 1. mit der deutschen Geschichte nichts am Hut haben und sich 2. meistens kein Stück dafür interessieren. Sigel stellt jedoch überraschender Weise, entgegen unser Erlebnisse, fest, dass gerade diese Migranten sich sehr für unsere Geschichte interessieren würden. Ja, sie würden es sogar besser verstehen, da sie selbst

Rassendiskriminierung, religiöse Intoleranz, Völkermord und Vertreibung aus eigener Anschauung oder aus der Geschichte ihrer Familien kennen.

Unserer Meinung nach führt das eher dazu, dass man sich über uns Deutsche dank unserer Geschichte lustig macht und uns mit Worten wie “Dreckiger Nazi” beschimpft. Denn wer selbst Rassendeskriminierung erlebt hat, geht leider nicht mit Verständnis damit um, sondern ist eher froh, dass mal jemand anders diskriminiert werden kann.

Die Deutschen sind ja nicht die Einzigen, die in der Vergangenheit schwere Verbrechen begangen haben. Aber zeigen Sie uns einen Amerikaner, der sich schuldig fühlt, die Indianer ausgerottet zu haben. Auch im Unterricht ist dort nicht viel davon zu sehen, ja eher wird die Tatsache der Ausrottung eines ganzen Volkes geleugnet. Dies ist natürlich genauso schlimm, aber den Deutschen wird jede Möglichkeit, auf ihr Land stolz zu sein, direkt mit der NS-Zeit genommen. Aber wie froh waren wir während der WM 2006, und trotzdem diskutierte man, ob die zahlreichen Deutschlandflaggen nun erlaubter Patriotismus seien oder wir die Rückkehr des Nationalsozialismus befürchten müssten. Entschuldigung, wie ergibt das einen Sinn? Wir fordern einen anderen Umgang mit diesem Thema im Unterricht. Dieser sollte zeitgemäßer und weniger theoretisch sein. Ziel darf es nicht sein den Schülern ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern ihnen aufzuzeigen, wie man mit dem Thema heute umgehen kann.

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24 Antworten zu “Das Grauen des Holocaust im Unterricht”

  1. Michael Sagt:

    Sehr gewagter Beitrag. Ich habe selbst ein Gymnasium besucht und konnte auch nicht verstehen, wieso dieses Thema so ausgiebig behandelt wurde.

    Zum Nationalstolz. Sicher haben wir davon wenig aber man darf auch nicht die Neo-Nazis vergessen.

  2. Schul-Blogger Sagt:

    Aber führt nicht grad der geringe Nationalstolz dazu, dass es einige Menschen gibt, die diesen dadurch extremer ausüben wollen?

  3. Peter Sagt:

    Hallo,

    ein paar Hinweise:

    “Die Deutschen sind ja nicht die Einzigen, die in der Vergangenheit schwere Verbrechen begangen haben”

    ist ein typisches Neu-Nazi-Argument. Die Aussage ist richtig, allerdings sollte man berücksichtigen, dass kein anderes Volk in der Welt und Geschichte versucht hat, ein anderes mit INDUSTRIELLEN Methoden auszurotten.

    Und: “Aber zeigen Sie uns einen Amerikaner, der sich schuldig fühlt, die Indianer ausgerottet zu haben” - fährt man in die USA und beschäftigt sich mit ähnlichen Themen, hört man nicht selten Amerikaner, die sagen: “Unsere große Sünde war die Sklaverei.” Es gibt also durchaus genug Amerikaner, die sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinander setzen (und für Teile davon schämen).

    Ob ein schöner Park mit Denkmälern oder eben 2711 Steinklötze in Berlin für Gegner solcher Gedenkstätten einen Unterschied macht, wage ich außerdem zu bezweifeln.

    “…aber den Deutschen wird jede Möglichkeit, auf ihr Land stolz zu sein, direkt mit der NS-Zeit genommen” - auch die Aussage ist falsch: Die Deutschen nehmen sich die Möglichkeiten selbst, sie werden ihnen nicht genommen - von wem denn auch? Wer macht denn Lehrpläne?

    Es gibt viele und gute Gründe, heute sehr stolz auf Deutschland zu sein. Das Problem ist und bleibt, dass der Begriff immer noch von irgendwelchen Leuten missbraucht wird, die meinen, allein die Abstammung und die Herkunft erlauben einen gewissen Stolz.

    Die Grundfrage des Eintrags ist trotzdem richtig und unterstützenswert: Es muss dringend ein neuer Umgang mit dem Thema Holocaust und deutsche Geschichte im Unterricht gesucht werden. So, wie es ist, ist es deutlich zu viel und deutlich zu sehr Moralkeule.

    Zu der Frage: “Seid ihr stolz, deutsch zu sein?” erscheint übrigens auch im nächsten SPIESSER (18. Feb.) ein großes Spezial, dass die Frage aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

  4. DJH Sagt:

    Ich glaube, dass das Thema Holocaust etwas “Schülerfeindlich” angegangen wird. Prinzipiell halte ich es schon für wichtig, sich mit der (wohl für Deutschland prägensten) Zeit auseinanderzusetzen. Nur ist es doch allgemein so: Wird zum x-ten Mal ein Thema durchgekaut, schiebt es der Schüler irgendwann in die Schublade “langweilig, nervig”. Ist damit das Ziel nicht verfehlt? Oder, mal ganz provokant formuliert: Wird da den Schülern nicht “indoktriniert”, dass Indoktrination schlecht ist?

    Wichtig ist zunächst einmal, dass die Schüler früher und ausführlicher die Gründe für den Nationalsozialismus kennen lernen. Warum waren die Nazis so erfolgreich, so populär? Warum hat das Ausland nicht früher eingegriffen? Das sind eigentlich entscheidende Fragen, die kommen aber in der Mittelstufe echt zu kurz. Mit dem Thema “Ausrottung der Juden als Endlösung” beschäftigt man sich zwar in Deutsch-Lektüren ziemlich oft, aber die wahre Grausamkeit wird durch einen fiktionalen Rahmen ziemlich abgeschwächt.

    Überhaupt ist es etwas seltsam, weshalb der Geschichtsunterricht nicht die Geschichte der Juden extra behandelt. Immerhin ist das eine Geschichte, in die ganz Europa eingebunden ist. Und die Geschichte des Landes Israel/Palästina haben wir in der gesamten Schulzeit in 20 Minuten abgehandelt – in einem Schülerreferat. Dabei sind genau solche Themen Fragen der aktuellen Weltpolitik, die viele junge Leute nicht richtig umreißen. Und genau solche Unwissenheit machen sich dann rechtsextreme Organisationen zu nutze. Und das nicht, wenn die Kinder ihren Abschluss in der Tasche haben, sondern auf Schulhöfen, mit Propaganda-Musik und in “Kameradschaften”. Das, was die Schüler wirklich lernen sollten, ist sich eine eigene, fundierte Meinung bilden zu können, und den Kopf einzuschalten und nicht immer nur nickend zuzustimmen. Hier hat das Bildungssystem noch einen Mangel, der ausgeräumt werden sollte.

    Übrigens, noch eine Anmerkung zum Thema Nationalstolz: Ich habe den Eindruck, dass eine Person umso weniger kritisch mit der aktuellen Politik umgeht, je mehr Nationalstolz sie hat. Beschränkt also ein allgemeiner Nationalstolz nicht irgendwie die Freiheit des einzelnen zur Kritik an der Politik? Kann man an der Politik der Staatsführung zweifeln, wenn von einem doch erwartet wird, stolz auf sein Vaterland zu sein? Oder ist man dann plötzlich der Nestbeschmutzer?

  5. mirkopeters Sagt:

    Lieber Michael,

    ja man darf die Neo-Nazis nicht vergessen und genau aus diesem Grund wäre doch mehr nationalstolz doch das beste. Denn das ist doch deren Grundlage um Leute zu werben. Wenn man also wenn man Nationalsolz hat nicht direkt in der Gesellschaft als NN angesehen wird… Aber was erzähle ich, meine Theorie ist glaub ich nicht umsetzbar.

    Lieber Schulwatchblooger,

    toller Beitrag!

    Lieber DJH,

    da hast du vollkommen recht mit deiner Ausführung!

    PS: Ihr müsst euch das nächste mal Briefen lassen wenn Ihr Kommentare schreibt! Wie bei Hart aber Fair *g*

  6. Schul-Blogger Sagt:

    Danke für dein Kompliment. Genau was du über den Nationalstolz sagst, meinen wir ;) Leider lässt sich die Auffassung über Stolz in unserem Land nicht so schnell ändern.

    Aber was genau meinst du mit “briefen” ?

    @DJH: Sehr interessanter Komentar. Da hast recht. Wenn ich mir die Amerikaner so ansehe, dann sind viele aufgrund ihres Nationalstolzes “blind” für die Auswirkungen der Politik. Das sieht in Deutschland schon ein wenig anders aus. Generell wünsche ich mir aber ein wenig mehr Nationalstolz in Deutschland, wo ist denn da noch Selbstvertrauen und Zusammenhalt?

  7. Hokey Sagt:

    Wenn ich mal eine Verständnisfrage stellen darf: Wo seht Ihr denn mangelndes Selbstvertrauen und mangelnden Zusammenhalt?

  8. Daniel Sagt:

    Hallo,
    ich finde den Beitrag ebenfalls sehr gewagt, aber natürlich diskussionswürdig.

    Als erstes habe ich aber eine kleine Anmerkung an die beiden Betreiber des Blogs. Ich persönlich würde es sinnvoll finden, wenn ihr euch etwas mehr vorstellt, als ihr das in eurem ersten Beitrag und im Impressum getan habt. Ich selber hatte am Anfang das Gefühl, dass ihr für eine bestimmte Schülergruppe (sei es ein Landesschülerrat oder ähnliches)steht. Es entstand also der Eindruck, dass ihr für die Meinung des Subjektes „der Schüler dieses Landes“ steht. Deshalb vielleicht eine kleine Erläuterung, wer ihr seid, was ihr außerhalb der Schule macht, etc.

    „Diese Zeit ist vorbei, geschehen ist geschehen, man sollte sich so langsam mit diesem Thema abfinden und sich heutigen Problemen widmen.“
    Genau das würde ich kritisch sehen. Der Sinn des Faches Geschichte besteht ja gerade darin, dass Geschehenes eben nicht damit abgetan wird, dass es passiert ist und es heute andere Probleme gibt. Im Fach Geschichte sollten wir verstehen, was passiert ist und die Lehren auf die heutige Zeit übertragen.

    „Denn wie entwickeln sich Schüler in ihrer Jugend denn wohl besser, als durch jahrelanges Einhämmern ewiger Schuldgefühle und heftigster Grausamkeiten?“
    Ich persönlich würde den Unterricht zum Thema NS nicht als Einhämmern ewiger Schuldgefühle bezeichnen. Ich, der übrigens gerade ein LK Geschichte in der 12 Klasse in Sachsen besucht, sehe keine Schuldgefühle durch den Unterricht.

    “ Jahrelang behandelt man dieses Thema im Geschichtsunterricht. Selbst im Deutsch- oder Religionssunterricht bekommt man immer wieder eine Story aus dem dritten Reich vorgesetzt.“
    Der Sinn des Faches Deutsch besteht für mich darin, dass die Literatur des Landes erklärt wird. Dadurch, dass besonders die Nachkriegsliteratur zentral mit dem Holocaust verbunden ist, würde ich es als logisch ansehen, dass dieser auch im Fach Deutsch behandelt wird.
    Ebenso sehe ich es als logisch an, dass jegliche Negation von heutigen Moralvorstellungen während des Holocaust als mahnendes Beispiel in den Fächern Religion oder Ethik behandelt werden sollte.

    „eine allgemeine Fragestellung nach dem “Nationalstoltz” gestellt? Ist so etwas mit so einer Vergangenheit erlaubt bzw.“
    Wir haben diese Frage vor etwa einem Monat im Geschichtsunterricht zum Thema 2.WK besprochen.

    „In vielen Teilen der Welt herrscht seit Jahrzenten Krieg und Leid. In Palestina und Israel Krieg, in Afrika Hungernot. Anstatt dort hinzuschauen, widmet man sich in Deutschland voll und ganz der Vergangenheit. Auch in der Schule finden diese Brennpunkte nur selten Beachtung.“
    Ebenso werden wir uns in den nächsten Wochen mit dem Palästinakonflikt beschäftigen, welcher übrigens nicht unwesentlich mit dem Holocaust zusammen hängt.

    „in Deutschland gibt es Millionen Arbeitslose, die manchmal nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen“
    Die Situation von deutschen Arbeitslosen mit der von Kriegsopfern zu vergleichen halte ich für grotesk. Ihr könnt euch sicher sein, dass kein Arbeitsloser in Deutschland um das überleben kämpfen muss.
    „und was tut man? Man pflastert das Zentrums Berlin mit 2711 riesigen Steinklötzen zu - auf einer Fläche von 19.000 m², Kosten: schlappe 27,6 Millionen Euro…“
    über den Sinn des Mahnmals kann man sicher auch streiten, ich halte es z.B. für nicht ungelungen, aber das würde das Thema zu sehr vergrößern.

    „Touristen kommen nach Athen und sehen wunderschöne Statuen und Gebäude, die den Nationalstolz der Griechen representieren. Touristen kommen nach Berlin und sehen 2711 schwarze Steine. Von Stolz ist bei den Deutschen auch nicht mehr viel zu sehen, anscheinend hat jahrelanger Geschichtsunterricht und Pressemanipulation gewirkt.“
    Der Unterschied zu Griechenland ist zum einen, dass dieses Volk z.B. eben keine, dem Holocaust vergleichbare, Tat begangen hat. Außerdem lohnt es sich in Berlin durchaus, seinen Blick, wenn ihr vor dem Mahnmal für die Millionen Opfer des Holocaust steht, einige Grad nach links oder rechts zu bewegen. Ihr seht dann z.B. das Brandenburger Tor, den, mit Deutschlandfahnen verzierten Reichstag oder den „DEUTSCHE-Bahn-Tower“.

    „Sigel stellt jedoch überraschender Weise, entgegen unser Erlebnisse, fest, dass gerade diese Migranten sich sehr für unsere Geschichte interessieren würden.“
    Da ich eure Erlebnisse nicht kenne, kann ich dazu nur sagen, dass meine Erlebnisse ein anderes Bild darstellen. Die Migranten, die ich kenne, zeigen weder ein größeres noch ein geringeres Interesse an Geschichte als alle anderen Mitschüler.

    „Denn wer selbst Rassendeskriminierung erlebt hat, geht leider nicht mit Verständnis damit um, sondern ist eher froh, dass mal jemand anders deskrimiert werden kann.“
    Ich nehme an, dass es sich dabei um eine Pauschalisierung handelt. Vielleicht sind die Rassisten mit Migrationshintergrund, die ihr kennt, gar nicht mit Rassendiskriminierung in Kontakt gekommen?

    “ Auch im Unterricht ist dort nicht viel von zu sehen, ja eher wird die Tatsache der Ausrottung eines ganzen Volkes geleugnet.“
    Sollte das in den USA so sein, dann wäre es wohl eher sinnvoll, dass an den hiesigen Bildungsplänen etwas geändert wird!

    “ Wir fordern einen anderen Umgang mit diesem Thema im Unterricht. Dieser sollte zeitgemäßer und weniger theoretisch sein. Ziel darf es nicht sein den Schülern ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern ihnen aufzuzeigen, wie man mit dem Thema heute umgehen kann.“
    Ich habe leider nicht erkannt, was für euch ein zeitgemäßer Umgang wäre. In der Schule ein Zeitzeugengespräch und danach ein Spaziergang im Park mit einigen Staturen deutscher Geschichte(Goethebild, Bachbild, Bismarckbild, Schrecken des Holocaust-Bild, die Freuden des Wunder von Bern, dt. Papst-Bild und dann noch die Nationalmannschaft des dt. Fußballs?)

    Joar, das wars erstmal. Ist ganzschön viel geworden, hoffe, dass es trotzdem lesenwert war.

    @Peter, was machst du jetzt eigentlich? Ich hab leider noch nix weiteres über Dich lesen können, wäre schön, wenn du mir mal schreibst  danielstrunzÄThotmail.com

    CIAO!

  9. Robert N. Sagt:

    Was mich interessieren würde ist:
    Wieso sollte ich auf mein Land “stolz” sein? Was ist das für ein Stolz? Wie kann ich auf etwas stolz sein, für das ich nicht verantwortlich bin?

    MfG, Robert Nitsch

  10. Hokey Sagt:

    Die Logik erschließt sich mir als jemandem, der Nationalstolz eher skeptisch gegenübersteht, nicht: Ich kann sehr wohl auf meine Eltern oder meine Geschwister stolz sein, ohne für beide verantwortlich zu sein.

  11. Daniel Sagt:

    Hach, mir ist gerade noch was aufgefallen… passt perfekt zum Thema Holocaustmahnmal, die Goldelse, also die Siegessäule sieht man übrigens, wenn man seinen Blick um 180Grad wendet. sie überblickt ja auch recht viel. die gute wurde gebaut, um den Sieg im Deutsch-Dänischen Krieg zu zeigen… so wegen Nationalstolz und so ;-)

  12. Der Praktikant Sagt:

    Ich halte das Thema “Nationalstolz” für unglaublich gefährlich, aber dazu später mehr.

    Zuerst zum Thema Holocaust. Ich habe das Thema in der Schule auch so oft serviert bekommen, dass es zum Brechen war. Die Gedanken, die ich mir dabei gemacht habe, waren genau dieselben wie ihr sie hier formuliert habt. “Jetzt hören wir wieder die Story von den 6 Millionen…” Nebenbei bemerkt fehlt sie auch kaum irgendwo in anderen Medienbeiträgen, es ist ja nicht so, dass man das Thema nur in der Schule vorgekaut bekommen würde. Die etwas…fragwürdige…Öffentlichkeitsarbeit des ZdJ tut da ihr übriges dazu. Ich erinnere mich noch an unsere Klassenfahrt in der 10. Klasse nach Berlin (damals noch ohne Mahnmal), in der wir, natürlich, auch das jüdische Museum besuchten. Gott, wurde das angepriesen. Effektiv hatte ein Großteil von uns es aber satt, bevor er drin war - es findet einfach eine “Überfütterung” mit der Thematik statt. Und die ist einfach nur kontraproduktiv.

    Ich habe in meinem zweiten Semester Geschichte an der Uni eine Vorlesung besucht, die den Vernichtungskrieg im Osten zum Thema hatte und dabei auch den Holocaust streifte. Ich dachte mir auch “Na toll, schon wieder die alte Leier”. Stattdessen wurde uns ein Blick hinter die Psyche der Täter gegeben. Nicht der übliche Guido-Knopp-Seifernopern-Betroffenheitsstil über die geisteskranken Vollidioten in der Chefetage, die zu verstehen auch nach dreißig Semestern Psychologie unmöglich sein dürfte. Nein, es ging um die “Verwalter”, wie man sagen könnte. Diejenigen, die das Ganze organisiert haben. Die Rädchen im Getriebe. Denn sie sind es, die den Schlüssel zum Verständnis des Holocaust liefern, und genau sie sind es, die in allen Aufbereitungen des Themas beharrlich ignoriert werden. Ich sagte bereits, mit den Debilen in der Chefetage braucht man sich in diesem Zusammenhang nicht befassen; ihre wahnsinnigen Phantasien sind eigentlich kaum der Rede wert, hätten sie nicht eine willfährige Truppe gehabt, die sie ausgeführt hätte.

    Ich will dabei nicht in die übliche “Kollektivschuldthese” abgleiten, die ich für Bullshit halte. Es war eine ganz spezielle Schicht, die das vollbracht hat; der Rest des Volkes wusste nichts, hatte Angst oder profitierte mittelbar. Oder alles zugleich. An diesem Punkt müsste man ansetzen, vielleicht nicht wenn das Thema zum ersten Mal aufkommt - dafür ist es zu komplex -, aber spätestens in Klasse 12. Leider wird eben das nicht gemacht.

    Ich finde es gut und richtig, dass weiterhin nicht über den Holocaust geschwiegen wird. Ich hatte selbst während meiner Schülerzeit immer wieder das Gefühl, es müsse endlich Schluss sein, irgendwann muss die Reue und unsere ständige Selbstkasteiung Schluss sein. Auch das Argument, dass andere Länder ja auch schlimme Dinge getan haben, tauchte in diesem Zusammenhang nicht nur bei mir auf. Aber das ist falsch. Ja, andere Länder haben schlimme Dinge getan und verdrängen sie, oder noch schlimmer, sie erinnern mit Stolz daran. Aber ist das ein Grund, ihnen nacheifern zu wollen?
    Es gehört zu den wohl ehrenhaftesten und besten Taten, die Deutschland je begangen hat, die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten und sich der Verantwortung zu stellen, und es gehört zu den schlimmsten Dingen, dass man dies gerade loszuwerden versucht. Vielleicht gehört das Holocaust-Mahnmal als eine Art Ablasshandel dazu, ich weiß es nicht. Aber seit Deutschland wieder aktiv daran beteiligt ist, Krieg in andere Länder zu tragen und dort Menschen zu töten kann ich die Notwendigkeit, an damals zu erinnern kaum anders als mit vollem Herzen zu unterstützen. Wir haben 50 Jahre lang aktiv keinen Krieg geführt. Wir haben versucht, wirklich aus der Vergangenheit zu lernen. Nun wird das alles über Bord geworfen. Die Erinnerung an den Holocaust verkommt zur bloßen, inhaltsleeren Phrase, die Schüler zu Recht nach dem Sinn des Ganzen fragen lässt.

    Das betrifft im Übrigen den ganzen Unterricht zum Dritten Reich. Ein Kommilitone bemerkte treffend, dass der Schulunterricht über das dritte Reich in etwa so wiederzuspiegeln sei: “1933 landen braune Aliens, verführen das deutsche Volk, führen einen furchtbaren Krieg, führen den Holocaust durch und verschwinden 1945 wieder spurlos in den Weiten des Alls.” Die Nationalsozialisten kamen nicht aus dem Nichts, und sie verschwanden nicht ins Nichts. Ihre Ursprünge sind deutlich tiefer in der Geschichte vergraben als 1889, und ihre Erben leben nicht nur als Glatzen in der NPD fort. Wer jemals Wolfgang Schäuble auf dem Vertriebenenkongress hört (unbedingt auf YouTube schauen, dort ist das Video leicht zu finden), wo er von der Vereinigung Mitteldeutschlands mit Westdeutschlands und von der “Rückgewinnung” der “Ostgebiete” schwafelt, der weiß, was ich meine.

    Ein Wort zum Nationalstolz: Sicherlich ist es ein gutes Recht von jedem, Nationalstolz zu empfinden und empfinden zu wollen. Er ist auch per se nichts Schlechtes, wie die Patriotismusdebatte anlässlich der WM2006 offenkundig machte. Aber die Grenzen zum Nationalismus, der etwas Schlechtes ist, sind fließend. Und Nationalstolz macht leicht manipulierbar, auch das ist eine Lehre der Geschichte wie der jüngsten Vergangenheit. Wo Nationalstolz anerkannt ist, ja vielleicht sogar Pflicht, dort lassen sich abweichende Meinungen viel leichter unterdrücken, ist der Verratsvorwurf und das “wir” gegen “sie”-Denken viel leichter zur Hand.

    Ein Wort zum Holocaust-Denkmal: ich finde, über das Design kann man streiten. Aber ein lichter Park mit einigen Statuen ist kein Ort für ein MAHNmal. Es geht auch nicht um “einen Ort, an den man gerne geht”, um einen verantwortlichen Politiker zu zitieren. Ich finde, ein solches Mahnmal hat ein wenig unangenehm zu wirken.
    Ich habe bisher “nur” ein KZ besichtigt, Dachau. Ich war gelangweilt und empfand es nicht im Geringsten als irgendwie aufwühlend. Vielleicht war ich zu jung, ich müsste den Versuch noch einmal wagen. Aber inzwischen sind die Menschen bezüglich der Dimension des Holocaust abgestumpft. In der ewig monotonen Guido-Show des ZDF gerinnt deutsche Geschichte zu Nazigeschichte, gerinnt Nazigeschichte zu Anekdoten und Statistik. Stalin sagte einmal, ein einzelner Toter sei eine Tragödie, eine Million Tote sind Statistik. Was sind dann erst sechs Millionen?

  13. Hokey Sagt:

    Ein Kommilitone bemerkte treffend, dass der Schulunterricht über das dritte Reich in etwa so wiederzuspiegeln sei: “1933 landen braune Aliens, verführen das deutsche Volk, führen einen furchtbaren Krieg, führen den Holocaust durch und verschwinden 1945 wieder spurlos in den Weiten des Alls.”

    Das kann ich mir zumindest für den Geschichtsunterricht kaum vorstellen. Dort ist die Vorgeschichte zum Dritten Reich oft derart vordergründig, dass die Geschichte der Weimarer Republik nicht selten nur als Vorlauf zum Dritten Reich betrachtet wird. Und das nicht erst seit heute. Es mag aber sein, dass man das als Schüler anders wahrnimmt, denn als Schüler hätte ich dieser Meinung gewiss beigepflichtet.

    Um noch einmal eines klarzustellen: Ich glaube nicht an “Pressemanipulation” (übrigens auch ein typischer Neo-Nazi-Vorwurf und ein gerne gegenüber Juden verwendetes Vorurteil) und als Betroffener noch weniger an manipulativen Geschichtsunterricht. Es ist sogar meine ausdrückliche Pflicht als angehender Geschichtslehrer, Schülern Geschichte aus verschiedenen Perspektiven nahezubringen. Für beides mag der sogenannte Historikerstreit als Beispiel dienen, denn auch dieser wird im Geschichtsunterricht thematisiert.

  14. Der Praktikant Sagt:

    Richtig, darauf wollte ich hinaus. Die ganze Weimarer Republik wird behandelt, als wäre sie Vorgeschichte des 3. Reichs, und man erfährt auch viel von der Machtergreifung und analysiert sie - aber man geht nie dahinter, es bleiben leere Fakten, ohne Verständnis.

  15. AMUNO Sagt:

    Dies ist das Problem der Neuzeit, es wird immer weniger verstanden, warum es so wichtig ist, dass diese Geschichte niemals vergessen werden darf.
    Seit der Wende kommen immer mehr die Stimmen auf, die sagen, dass eben auch die Alliierten mit ihrem Bombenkrieg böse waren, dass es Vertriebene und Opfer auf deutscher Seite gab. Es werden die Opfer des Stalinismus aufgezeigt und alles tritt mehr oder weniger in Konkurrenz miteinander. Aber kann man wirklich Genozid vergleichen?
    Übrigens ist Deutschland das einzige Land der Erde, welches ein solche Denkmal mit einem Schuldeingeständnis an einem Genozid überhaupt in seiner Hauptstadt errichtet hat. Ist es nicht viel erschreckender, dass es in anderen Länder nicht so ist?
    Gruß

    AMUNO

  16. Fontanefan Sagt:

    Zwei schreckliche Vorgänge, die die nachfolgende Generation uns vorwefen wird, werden gegenwärtig meiner Meinung nach zu Unrecht kaum thematisiert:
    1. Die Verantwortung von und EU-Bürgern am Tod Tausender von Flüchtlingen, die wir nicht ins Land lassen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Fluchtabwehr)

    2. Die Verantwortung der Industrieländer dafür, dass China und Indien bei uns noch immer kein Modell für Wirtschaften mit wenig fossilen Energien vorfinden. -
    Wenn wir versuchen, China und Indien von allen fossilen Energien abzuschneiden und diese nur uns allein vorbehalten wollen, werden wir verlieren. Aber vielleicht noch viel schlimmere Kriege führen als jetzt im Irak.
    Aber auch ohne das: Dass Wirtschaftswachstum immer noch weitgehend mit Mehrverbrauch fossiler Rohstoffe einhergeht, könnte zum Tod von Millionen oder Milliarden führen.
    Doch spricht kaum jemand darüber, vielmehr über die bösen Chinesen, die jetzt die Umwelt ähnlich verpesten wie wir.

  17. Anonym Sagt:

    [...] im Unterricht http://schulwatch.wordpress.com/2008/01/12/das-grauen-des-holocaust-im-unterricht/ Geschrieben von Kreuznarbe in Links um 01:14 | Kommentare (0) | Trackbacks [...]

  18. inix Sagt:

    Liebe Schulblogger,
    ein gewagter Beitrag, an dem man sich gerne reibt!
    Meine Erfahrung als Geschichtslehrer hat immer wieder gezeigt, dass Schüler genau so auf das Thema Nationalsozialismus reagieren, wie ihr das in eurem Artikel macht. “Nein, nicht schon wieder! Jetzt kommt die Sache mit den 6 Mio……” Wenn ich dann aber ein bisschen nachgebohrt habe, stellte ich fest, dass ein konkrete Wissen über dieses Thema doch nicht vorhanden war. Wie ist eure Erfahrung dazu?
    Ich möchte spezielle auf eurer Beispiel mit Athen eingehen, das meiner Meinung nach zeigt, dass unreflektiertes Geschichtswissen zu unreflektiertem Nationalstolz führt.
    Die imposanten Gebäude der Akropolis kosteten schon damals eine Menge Geld. Dieses Geld floss nach Athen, weil Athen die Führungsmacht im sogenannten attisch-delischen Seebund war und sich seine Rolle als Schutzmacht gegenüber den Persern gut bezahlen ließ. Teilweise wurden andere poleis auch gezwungen sich diesem Bund anzuschließen und Tribute zu zahlen.
    Eigene Erfahrungen in Griechenland zeigten mir, dass Griechen gerne diesen Teil ihrer Geschichte verschweigen oder zumindest nicht gern darüber diskutieren, denn an diesem Beispiel lässt sich Machtpolitik wunderbar betrachten. Aktualisieren lässt sich diese Situation auch ganz hervorragend.
    Kann man denn dann noch hundertprozentig Stolz auf diese Bauten/Leistungen sein, wenn man über diese zusätzlichen Informationen verfügt?
    Mein Beitrag soll nur verdeutlichen, dass eben alles zwei Seiten hat, dass es sich lohnt Dinge gegen den Strich zu bürsten, unangenehme Fragen zustellen.
    Ich kann euren Frust teilweise verstehen, dass die Moralkeule an der Erarbeitung des Faktenwissens stört. Aufgabe des Geschichtsunterrichtes ist es aber, Schüler zu einem eigenen Urteil zu befähigen, und zwar auf der Basis eines möglichst breiten Faktenwissens.
    Ich persönlich -und das vertrete ich auch vehement vor Schülern - kann nichts Positives am Nationalsozialismus finden. So gesehen stört natürlich dann ein Schülerurteil, dass sich gegen diese negative Prämisse wendet. Eine Crux, über die man diskutieren müsste! Nationalstolz definiert sich für mich aber auch eben um das Wissen von der eigenen Geschichte. So habe ich auch ein Problem mit meinem Nationalstolz. Es gibt gewisse Dinge, auf die ich stolz bin als Angehöriger einer Nation. Aber bitte nie unreflektiert und unkritisch.

  19. Robert N. Sagt:

    “Die Logik erschließt sich mir als jemandem, der Nationalstolz eher skeptisch gegenübersteht, nicht: Ich kann sehr wohl auf meine Eltern oder meine Geschwister stolz sein, ohne für beide verantwortlich zu sein.”

    1. Kannst du? Wenn du drüber nachdenkst, bist du dir sicher, dass dieser Stolz begründet ist?
    2. Meine Fragen zielen ja darauf ab, genau das zu erläutern, allerdings eher in Bezug auf den Nationalstolz. => Was ist das für ein Stolz?

    Letztendlich geht es mir um die Definition von “Stolz”. Für mich ist “Stolz” bisher immer eine Art Zufriedenheit mit sich SELBST gewesen (Stolz auf eigene Leistungen). Nationalstolz oder ähnliches schließe ich daher von vorneherein aus, weil es nicht in meinen Kopf geht, wie ich auf mein Land, für das ich nun wirklich nicht verantwortlich bin, stolz sein sollte - geschweige denn, auf unsere Nationalmannschaft (mit der habe ich genausowenig am Hut).
    Ich bin halt hier geboren, ja und?

    MfG, Robert Nitsch

  20. Der Praktikant Sagt:

    Nationalstolz ist eine Meinung; ich teile sie ebensowenig, aber man muss sie respektieren. Was abzulehnen und zu bekämpfen ist, ist Nationalismus.

  21. anitz Sagt:

    Ich zitiere vom Beitrag:

    Wie Focus treffend bemerkt:

    Aber die letzten Zeitzeugen des NS-Regimes sterben aus, und in der Schule sitzen Jugendliche, die keine persönliche Beziehung zu den Tätern, Opfern, Mitläufern und Zeitgenossen mehr haben.

    Der Unterricht zu diesem Thema ist zu großen Teilen theoretisch.

    Und ich lege einen Gegenargument:
    Open Season…

    Zummindest kommt es im Ausland so vor, als ob es nicht nur Zeitzeugen des NS-Regimes noch gibt, sondern auch noch praktizierende! Ein Thema, das bei uns zu Hause heiss diskutiert wird…

  22. Hokey Sagt:

    @Robert

    Zu 1:
    Ja klar, warum nicht? Übrigens auch auf meine Tochter oder meine Frau. Ob Stolz
    begründet ist, darüber mache ich mir keine Gedanken, ich empfinde ihn einfach. Er ist ein Gefühl und keine Meinung, wie ich finde. Allerdings ist die Frage nach der Definition von Stolz eine sehr wichtige, denn eventuell bezeichne ich etwas als “Stolz”, dass Du lediglich als “Freude” bezeichnen würdest. Meinem Empfinden nach kann ich aber durchaus Stolz empfinden, ohne selbst dafür einen Finger krumm gemacht zu haben.

    Zu 2:
    Eine gute Frage. Wieso jubeln Menschen einer einfallslos bemalten Flagge
    zu? Und ich würde es nicht beim Nationalstolz belassen wollen: Wieso wird
    ein alter Mann frenetisch bejubelt, der sich in einem Gefährt namens “Papamobil” durch die
    Gegend fahren lässt? Wieso feiert man wie bekloppt elf Männeken, die auf grünem Rasen bunte Trikots hinter einem weißen Ball hertragen? Sind die Jubilanten alle plemplem?

    Jein. ;-)
    Meines Erachtens findet man eine(!) Antwort in der Sozialpsychologie, die sich unter anderem mit Gruppendynamik auseinandersetzt und dort zu erstaunlichen und bisweilen absurd anmutenden Ergebnissen kommt, auf die ich jetzt aber nicht eingehen kann.

    Der Tenor ist, dass man sich als Mensch immer bestimmten Gruppen zugehörig fühlt (den Katholiken, den Bauern, den Schülern, den Rap-Hörern, den BVB-Anhängern oder auch: den Deutschen). Dabei wertet man die eigene Gruppe und deren Mitglieder auf und gleichzeitig andere Gruppen ab (die langweiligen Protestanten, die schnöseligen Städter, die asigen Heavy-Metal-Hörer, die Schalke-Idioten oder auch die Türken).

    Problematisch dabei ist, dass man generalisiert: Man unterscheidet nicht zwischen Individuum und der (vermeintlichen) Gruppe, sondern überzieht alle Gruppenmitglieder mit seinen Vorurteilen (Frauen können nicht einparken / Männer sind gewalttätig). Und auch positiv: Deutsche sind ordnungsliebend / Afrikaner sind gute Tänzer.

    Und das ist problematisch, besonders in punkto Nationalstolz, wenn man sich zu wichtig nimmt, bzw. andere herabwürdigt. Welche Auswüchse das haben kann, dafür brauchen wir nach wie vor den Holocaust im Geschichtsunterricht: Damit wenigstens hier nie wieder eine Idiot auf die Idee kommt, die deutsche Nation über andere zu stellen - eine Idee, die im NS bis zur totalen Ausrottung anderer Nationen / Gruppen führen sollte.

    Und da sich die ganze Diskussion hier zu einer Diskussion um das Thema “Nationalstolz” entwickelt, möchte ich die Diskutanten einmal fragen, was denn eigentlich eine “Nation” kennzeichnet? Was ist eigentlich eine “Nation”?

  23. Schul-Blogger Sagt:

    Nationalstolz kann leider sehr schnell dazu führen, in blinder “Liebe” zu seinem “Vaterland” zu handlen und nicht mehr nachzudenken. Selten wird dann noch hinterfragt ,wenn estwas im Namen des eigenen Landes geschieht.

    Wünschenswert wäre ein anderer Stolz. Ein Stolz, sich anderen Ländern zu präsentieren, Land und Kultur mit anderen Menschen zu teilen und sich darüber freuen, dass es überall auf der Welt verschiedene Kulturen gibt, jede mit ihren eigenen Lebensweisen, und jede auf ihre Weise faszinierend. Leider zeigt die Vergangenheit, dass es diesen Stolz nur selten gibt.

    @Hokey: Damit habe ich deine Frage eigentlich schon beantwortet. Einfach viele Menschen, die eine gemeinsame Vergangenheit,Kultur, und ähnliche Gewohnheiten haben. Ob es sinnvoll ist, sich als Nation von anderen abzugrenzen, ist eine andere Sache. Aber wie ich oben beschrieben habe, ist ein anderer Umgang damit möglich, bzw. erfolderlich.

  24. lisarosa Sagt:

    schade, dass ich diesen Beitrag erst jetzt entdeckt habe. Ich finde ihn sehr wichtig - vor allem mitsamt den Kommentaren dazu - und werde ihn in meinem Lehrerfortbildungsprojekt “‘Richtiges’ Erinnern? Wie können wir angemessen mit der Gegenwart der Vergangenheit umgehen. Ein (Selbst-)Erkundungsprojekt am Beispiel des Holocaust-Mahnmals in Berlin” wunderbar einsetzen können! Danke!

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